Oktober 2007 – Rotorua + Waitomo

Die letzten 3,5 Tagen haben Pascal und ich mal wieder einen Wochenend-Trip mit einem Camper unternommen. Diesmal südlich und süd-östlich von Auckland. Die Tour führte uns von Auckland nach Süden ein Stück entlang der Bay of Plenty (gleichzeitig Name der Region) und von dort nach Rotorua. Nach einigen Aktivitäten in und um Rotorua herum sind wir nach Waitomo und an die Westküste im Waikato-Gebiet von Neuseeland’s Nordinsel gefahren, um danach nach Auckland zurückzukehren.

Auckland – Rotorua

Do, 04.10.07
Nach einigen Problemchen beim Abholen des Campers (und damit verbundenen Mehrkosten) sind wir mit Zwischenstops an der Tankstelle und beim Supermarkt am Nachmittag endlich wieder aus der Stadt raus – Richung Süd-Osten. Da sich der Tag schon dem Ende zuneigte sind wir mit nur einer Photo-Pause bis zur Bay of Plenty durchgefahren. Die Pause haben wir am Karangahake Walkway eingelegt, einem Wanderweg (-Netz) auf halber Strecke. Wir haben ein paar Photos vom Camper gemacht, sind den Wanderweg ein paar Meter runtergelaufen und sind dann schon wieder weitergehastet.

An der Bay of Plenty haben wir erfolglos nach einem Schlafplatz gesucht und sind deshalb weiter bis zum Lake Rotorua gefahren, was eigentlich erst für Freitag geplant war. Wie der Name vermuten lässt, liegt der See direkt neben der Stadt Rotorua, genauer gesagt nördlich davon. Wir haben am Nordstrand einen verlassenen Rastplatz gefunden, zu Abend gegessen und sind nach geraumer Zeit schlafen gegangen. Da wir diesmal nur zu zweit im Camper geschlafen haben, war platztechnisch die Breite ausreichend – dafür hat die Länge nicht so recht gepasst. Ich bin einfach zu groß für die Autos und Betten dieser Welt…

Kerosin und Dampfbad

Fr, 05.10.07
Freitag durfte ich ausnahmsweise mal ausschlafen. Nach ein paar 100 Metern Fahrt zum nächsten Rastplatz haben wir erstmal am See gefrühstückt und sind dann frisch gestärkt aufgebrochen.

Erstes Tagesziel war ein “Freizeitpark” westlich vom See, wo man jede Menge Geld bei allen möglichen und unmöglichen Spaß-Veranstaltungen lassen kann. Natürlich sahen im Flyer alle viel besser aus, als in real. Deshalb haben wir das Geld für uns behalten und nur Pascal hat drei Runden Zorbing mitgemacht (da rollt man in einem großen Plastik-Ball nen Hügel runter). Zwei davon am Freitag und eine am Samstag.

Auf dem Weg in die Stadt haben wir Station bei einer Seilbahn gemacht, die auf einen Hügel mit Blick auf Stadt und See führt. Außerdem gibt es am oberen Ende der Seilbahn noch eine Art Sommerrodelbahn mit drei verschiedenen Beton-Pisten die wiederum bergab zu einem Sessellift führen, der die Rodler wieder zum Startpunkt bringt. Wir sind 5 Runden gefahren, von denen mir die Erste eine Bekanntschaft mit dem örtlichen Erde-Gras-Gemisch einbrachte. Naja, die Waschmaschine daheim wartet ja auch auf Arbeit.

Danach ging es hinein nach Rotorua. Roto steht für “See” und rua ist “zwei” in Maori. Ist zwar jetzt nicht offiziell, aber ich würde das mal frei als “Zweiter See” übersetzen, was passen könnte, weil es in der Gegend viele kleinere und größere Seen gibt. Rotorua ist eine Touristen-Hochburg, wie aus dem Bilderbuch – die komplette Industrie ist auf Tourismus ausgelegt: Rundreisen, Hotels, Extrem-Sportarten und was Touristen noch so brauchen. Zu viel Tourismus für meinen Geschmack. Nachdem wir uns in der Tourist-Info mit Flyern über die Angebote in der Region versorgt hatten, haben wir bei einer bekannten Fastfood-Kette die Löcher in unseren Bäuchen versorgt.

Anschließend ging es nach Süden aus der Stadt wieder heraus. Von Komilitonen hatten wir ein Plätzchen namens Kerosene Creek (Kerosin Bach) empfohlen bekommen. Der Bach führt warmes Wasser und ist eine der wenigen öffentlichen thermalen Badestellen in der Gegend. Dementsprechend gefragt war die Ecke auch und weder Baden noch Übernachten kamen für uns dort in Frage. Wir sind dafür aber ein Stück den Bach entlang gelaufen, bis wir bei einem Fleck mit kleinen heißen Quellen herausgekommen sind, die einen Ölfilm an der Oberfläche hatten (daher vermutlich der Name “Kerosin”). Nach ein paar Photos von Schwefel-Kristallen und ungewöhnlich gefärbtem Holz ging es wieder zurück.

Von Anderen hatten wir einen Campingplatz in der Gegend empfohlen bekommen, in der Nähe von Waikite. Der Campingplatz hat ein angeschlossenes Thermalbad, das man als Camper kostenfrei mitnutzen kann (bei einem Übernachtungs-Preis von rund 8 Euro pro Person…). Das Bad hat seine eigene Quelle, Te Manaroa (frei aus Maori: “Die langlebende Kraft”), die jede Sekunde 40 bis 50 Liter Wasser mit 98 Grad C ausstößt. Das Wasser wird im Bad auf verwendbare Temperaturen heruntergekühlt und befüllt ununterbrochen die verschiedenen Becken – ein Großes mit 37 Grad und zwei Kleine mit 39 bzw. 41 Grad. Nachts wird das Wasser zum Reinigen abgelassen und innerhalb von 7h sind die Becken wieder gefüllt. Wir sind nach unserer Ankunft noch schnell zur Quelle gelaufen und haben uns in der untergehenden Sonne (tut mir Leid, schon wieder Sonnenuntergang-Photos…) das Bisschen davon angesehen, was man in den dichten Dampfwolken sehen konnte. Danach sind wir noch baden gegangen – die 41 Grad habe ich mir nicht angetan – und abschließend gab’s Abendbrot, bevor wir frühzeitig ins Bett sind.

Geothermie und schwarzer Sand

Sa, 06.10.07
Am Samstag war nichts mit Ausschlafen. Um 7 hat uns der Wecker aus dem Camper gescheucht, damit wir das Bad noch genießen konnten, bevor es sich wieder mit Menschen füllt.

Nach einem knappen Frühstück ging es zu unserem ersten angesetzten Tages-Ziel. Wai-o-Tapu (Maori: heilige Gewässer) ist ein geothermischer Touristen-Magnet mit vielen Kratern, heißen Quellen, Geysieren und Seen. Da jeden Morgen 10:15 mit etwas Nachhilfe der Lady Knox Geysier ausbricht und dabei eine Höhe von rund 10 – 15 Metern erreicht, war das ein Grund mehr, früher aufzustehen. Nach dem “Ausbruch” sind wir durch den Park gewandert und haben uns bei unphotogenem Wetter die bunten Krater und Seen angeschaut. War zwar ganz nett anzuschauen, aber irgendwie etwas enttäuschend. Wieder auf die Werbe-Brochüre reingefallen…

Aufgrund dessen und aufgrund der zunehmenden Regenschauer haben wir den Plan einer weiteren ähnlichen Tour aufgegeben und sind in die Stadt gefahren. Bzw. durch die Stadt hindurch, damit Pascal sein drittes Zorbing machen konnte. Danach zurück in die Stad, zum “Hafen”. Der Regen hat uns aber von einer Tretboot-Tour auf dem See abgehalten. Also eine kurze Tour durch den Stadtpark mit heißen Quellen. War aber alles irgendwie etwas unbefriedigend. Schlechtes Wetter drückt die Stimmung erheblich.

Also sind wir am frühen Nachmittag Richtung Waitomo aufgebrochen, haben einen Zwischenstopp im Japanischen Garten in Te Kuiti eingelegt und sind dann am späten Nachmittag an unserem Tagesziel angekommen. Dort haben wir uns unsere Höhlentour für den nächsten Tag bestätigen lassen und sind wieder mal zur Schlafplatz-Suche aufgebrochen. Richtung Westküste. Unterwegs haben wir ein paar Photos an Aussichtspunkten und an einem Wasserfall gemacht, aber einen Platz für die Nacht haben wir nicht gefunden. Erst an der Küste, gut anderthalb Autostunden von Waitomo sind wir fündig geworden, wenngleich der Platz auch nicht so die Wucht war. Zum ersten Mal habe ich dort schwarzen Sand gesehen, der in Neuseeland aufgrund des vulkanischen eigentlich recht oft vorkommt. Naja, dann das Selbe wie immer – Abend essen und später dann schlafen.

Zwei Brücken und zwei Hunde

So, 07.10.07
Die anderthalb Stunden, die wir am Samstag von Waitomo zur Küste gefahren sind, mussten wir am Sonntag natürlich wieder zurückfahren, um 11 Uhr an unserer Höhlentour teilnehmen zu können. Also um 8 aufstehen, Camper aufräumen und mit ner Banane im Bauch auf die Piste.

nach zwei Dritteln der Strecke haben wir auf einem Rastplatz angehalten, um zu frühstücken. Dort haben wir uns dann auch entschieden, noch schnell einen Abstecher zu Fuß zur nahegelegenen Mongapohue Natural Bridge zu machen. Zehn Minuten ging es auf befestigten Wegen und Hängebrücken an Steilwänden entlang in eine Schlucht hinein, an deren Ende nicht nur eine, sondern zwei natürliche Brücken auf uns warteten. Die übereinander “liegenden” Brücken sind sozusagen der erosive Durchbruch von Bach, Wind und Wetter durch das Ende der Schlucht. War ganz nett anzuschauen, zumal die Sonne zeitweise den umliegenden Regenwald in einem warmen Grün erstrahlen lassen hat.

Danach ging es schnurstracks weiter nach Waitomo – was übrigens Wasserloch oder Wasserhöhle heißt (Wai = Maori: Wasser; tomo = Maori: Loch, Höhle) – ins Hauptquartier der Black Water Rafting Co.. Check in, medizinischer Fragebogen, warten auf den Start. Zu uns haben sich noch zwei andere Deutsche gesellt, womit unsere Gruppe dann vollständig war – zum Glück mit vier Leuten recht überschaubar. Unsere zwei Guides haben uns dann ein paar Sachen erzählt, nochmal nach medizinischen Dingen gefragt und uns dann mit Neoprenanzug, Stiefeln, Helmen und Klettergeschirr ausgestattet. Nach dem Umziehen ging es zum Einstieg der Höhle. Davor noch kurz Abseil-Training mit einem anderen System, als beim Canyoning – einfacher und bequemer.

Dann ging es endlich los – mit 35 Metern Abseilen durch ein mehr oder minder großes Loch im Boden. Laut Guide bin ich wohl recht zügig unten angekommen, was dazu führte, dass man sich nach meiner “Vorbildung” erkundigte. “Abseilen beim Militär?” – “Nöö…” :)

Anschließend haben wir eine Schlucht mit Hilfe einer Flaschenzug-ähnlichen Seil-Rollen-Kombination überbrückt. Natürlich ohne Licht, damit man die Glühwürmer an der Decke auch sieht. Weil wir ja schon so viel bis dahin gemacht, gabs erstmal ein kleines Picknick. Nachdem wir uns so erfolgreich aufgewärmt hatten, kam der Sprung ins 11 Grad warme Wasser. Mit Hintern und Autoreifen voraus. Auf den Reifen sind wir ein langes Stück des unterirdischen Flusses stromaufwärts gepaddelt (mit Händen ohne Handschuhe natürlich) oder haben uns an Seilen entlanggehangelt. Dann kam die Kehrtwende, alle Mann (und Frau) eine Kette bilden und den Gleichen Weg ohne Licht wieder zurück. Überall Glühwürmer an der Decke. Sieht aus, wie ein kleiner Sternenhimmel…

Nachdem wir uns am Picknick-Punkt wieder von den Reifen getrennt hatten, ging es zu Fuß weiter den Fluß entlang in die Höhle hinein. Laufen, schwimmen, robben, durch Löcher zwängen – was halt so in Höhlen dazugehört. Zum Abschluss sind wir noch zwei kleine Wasserfälle hochgeklettert, um an einem anderen Punkt die Höhle wieder zu verlassen. Zurück zum Hauptquartier, warme Dusche und umziehen. Andenken kaufen, was Essen, Eintrag ins Gästebuch schreiben und den anderen beiden Deutschen noch Tips für die Weiterreise geben. Danach ging es ziemlich direkt und ohne Pause nach Auckland zurück.

Die Höhle in der wir unterwegs waren, heißt übrigens RuakuriRua steht, wie in Rotorua für “zwei”, Kuri heißt “Hund(e)”. Die Zwei steht für die zwei Eingänge der Höhle. Einer Legende zufolge hat am “Ausgang” früher ein Rudel wilder Hunde gelebt, was die Namenserklärung komplettiert.