Juli 2007 – Noho Marae
Ein Marae ist ein Versammlungsplatz bestehend aus Gebäuden (z.B. Wharenui – Versammlungshaus und Wharekai – Speisehaus) und freien Flächen um eine Maori-Gemeinschaft (auch Tangata Whenua – Gastgeber) und ihre Manuhiri – Gäste – unterzubringen und zu verpflegen. Was allerdings Noho heißt, weiß ich leider nicht.
So viel zum Namen der Veranstaltung, die mich das ganze Wochenende in Beschlag genommen hat. Das Noho Marae wurde von verschiedenen Institutionen der AUT organisiert, um den internationalen Studenten einen Einblick in die Kultur der Maori zu ermöglichen. Teilgenommen haben schätzungsweise 70 Studenten, von denen wohl 30 aus Deutschland gewesen sein dürften. Und ich dachte, ich wäre im Ausland…
Am Freitag Nachmittag ging es mit dem Powhiri, der Begrüßungszeremonie los, die die Gäste unter Wahrung der Integrität und des Respekts beider Seiten mit dem Marae bekannt macht und sie Willkommen heißt. Dabei gilt es zum Einen, die Hausordnung einzuhalten und zum Anderen nach Protokoll vorzugehen. Die Zeremonie beinhaltet unter anderem die Eskorte zum Versammlungshaus, gegenseitige Begrüßungsreden (unterstützt durch Gesang – die Maori singen sehr viel…) und in unserem Fall auch eine Vorstellungsrunde. Anschließend werden alle Gäste auf rituelle Weise mit einem Hongi begrüßt. Beim Hongi drücken zwei Personen ihre Nasen auf einander und atmen zusammen ein. Das meint, grob gesagt, dass sie die Luft (und damit auch ihren Geist), die sie atmen, miteinander teilen und bringen damit gegenseitig Respekt, Vertrauen und Anerkennung der Ehre zum Ausdruck. Das Hongi ist auch gleichzeitig der Abschluss des formellen Teils der Begrüßungszeremonie. Anschließend wird noch gemeinsam gegessen – dafür hatten alle internationalen Studenten Gerichte aus ihrer Heimat gekocht und mitgebracht. So gab es nachher ein ziemlich großes Buffet – das Pot Luck Dinner, an dem sich Gastgeber und Gäste laben konnten. Ich hatte mangels Paniermehl für Schnitzel nur Nackensteaks in Alufolie gemacht.
Der Samstag begann mit einem gemeinsamen Frühstück. Anschließend folgten mehrere Phasen, in denen uns Teile der Maori-Kultur nähergebracht wurden. So bastelten wir zu erst aus Harakeke Blumen. Nach einer Tee-Pause lernten wir das Titi Torea und das dazugehörige Lied kennen. Im Anschluss lernten wir noch 2 weitere Lieder. Zum Einen Piriponotia – das Maori-Lied für und über internationale Gäste – und zum Anderen E rere taku poi – das zum Poi gehörige Lied. Zum Mittag gab es sowohl Suppe, als auch kleine Blätterteig-Gebäcke. Den größten Teil des Nachmittags (unterbrochen durch eine weitere Tee-Pause) lernten die Frauen, einen Poi zu basteln und damit umzugehen, während die Männer sich dem Haka widmeten. Als Dank für die Gastfreundschaft, haben wir internationalen Studenten den Maori ein Konzert gegeben, in dem wir alles gelernte präsentierten. Zum Abschluss des Tages gab es ein Hangi – ein traditionelles Fest(essen) – und danach ging es noch in die reservierte Campus-Bar.
Im Vergleich zum Vortag war der Sonntag recht überschaubar und kurz gestaltet. Nach dem Frühstück und dem Groß-Reinemachen wurde das Poroporaki – die Abschiedszeremonie – mit Dankesreden (und-Liedern) aller teilnehmenden Länder, Regionen und Kontinente (so gabe es z.B. ein – große – Deutschland-Gruppe, eine Skandinavien-Gruppe und eine Europa-Gruppe) abgehalten. Abschließend gab es dann noch die obligatorischen Familienphotos – denn wir wurden ja am Freitag beim Powhiri in die Maori-Familie (Familie = Whanau) aufgenommen und waren von da an alle Brüder und Schwestern.
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Insgesamt war es ein sehr schönes Wochenende und ich hab mich bei den freundlichen und hilfsbereiten Maori wohlgefühlt. Natürlich hab ich auch ein paar Sachen über die Maori-Kultur gelernt (wobei ich zumindest die Lieder größtenteils schon wieder vergessen habe
). Ein paar dieser Dinge werde ich im Laufe des Semesters im Rahmen meiner Kurse nochmal machen dürfen. Am interessantesten und beeindruckensten (aber auch am anstrenendsten für die Stimme) fand ich das Haka und ich freue mich darauf, Ende August (zumindest planmäßig) nochmal eines machen zu dürfen.
Sicherlich ist so eine Veranstaltung – vor allem in einer Großsstadt, wie Auckland – zu einem gewissen Grad gestellt. Das ändert aber nichts an dem schon erwähnten offenen und herzlichen Charakter der Gastgeber.
Harakeke
Harakeke – Flachs oder auch Lein – ist/war DIE Multifunktionspflanze der Maori. Sie unterscheidet sich aber von dem (mir) aus Deutschland bekannten Lein durch ihre langen, faserigen Blätter. Diese wurden von den Maori zum Beispiel zur Herstellung von Kleidung, Körben und Matratzen verwendet. Die Wurzeln dienten als Abführmittel und für Umschläge (nicht die für die Post). Während der Klebstoff antiseptisch wirkt, ist der Nektar ein Süßungsmittel.
Titi Torea
Die Maori bringen ihren Kindern schon in jungen Jahren das Titi Torea – frei übersetzt: das Stab-Spiel – bei, spielen es aber auch selbst als Erwachsene. Es hat hauptsächlich den Zweck, die Hand-Auge-Koordination zu verbessern. Dazu hat jeder Teilnehmer zwei kurze Stäbe (in der Regel aus Holz, unsere waren aus gerollten Zeitung, um das Verletzungsrisiko zu minimieren), die er im Takt zur Musik bewegt. Wir haben das Spiel zu einem Lied namens E aue gespielt. Unter anderem werfen sich (auf kurze Distanz) 2 sich gegenüber sitzende Spieler ihre Stöcke zu und fangen die des anderen auf. Da wir zumindest während der Übungen auch noch das Lied dazu gesungen haben (In meinem Fall: wenn mir mal ein Stück Text einfiel
), war das sogar ne Hand-Auge-Gedächtnis-Mund-Koordnination… Zwei kurze Videos zu etwas fortgeschritteneren Titi Torea’s aus dem Netz:
Poi
Der/Die/Das Poi ist ein Ball am Ende einer Schnur. Je nach länge der Schnur spricht man von einem kurzen oder langen Poi. Ein der Herkunftsgeschichten besagt, dass Poi’s früher von Kriegern verwendet wurden, um ihre Handgelenke zu kräftigen, aber es gibt noch einige andere Überlieferungen. Was man mit Poi’s alles machen kann, kann man am besten in dem Video sehen.
Haka
Das Haka ist der traditionelle Kriegstanz der Maori und ist seit langem ein wichtiger Bestandteil der Kultur. Früher wurden Haka’s “aufgeführt”, bevor die Männer in den Krieg gezogen sind. Es sollte den eigenen Mut stärken und den Gegner einschüchtern. Heute dienen Haka’s vor allem als Dank und als Herausforderung zu Wettkämpfen. So führt das neuseeländische Rugby-Team, die All-Blacks vor jedem Spiel ein Haka auf.
Eines der am besten bekannten Haka’s ist das Ka Mate. Es wurde 1820 von einem Maori-Häuptling namens Te Rauparaha entworfen. Dies ist auch reguläre Haka der All Blacks.
Das Ka Mate Haka wurde uns während des Noho Marae von einigen Maori (und erfahrenen Austausch-Studenten) vorgeführt, damit wir es im Anschluss selber lernten. Nach drei Stunden Üben hatten wir 40 Männer das ganz gut drauf und warteten mit gereizter Stimme (der Kriegsgesang wird nämlich nicht gesungen, sondern gebrüllt) auf unsreren Auftritt vor Publikum. In den 2 Stunden dazwischen hatten wir natürlich Teile des Textes wieder vergessen und unser Haka war nicht ganz so gut, wie das am Nachmittag. Laut dem weiblichen Publikum muss es wohl einerseits lustig, andererseits aber auch beeindruckend gewesen sein.
- Persönlichkeits-Profil
- Schweden 2006
- Neuseeland
- Juli 2007 – Flug nach Neuseeland
- Juli 2007 – Wellesley Student Appartments
- Juli 2007 – Gewohnheiten
- Juli 2007 – Auckland
- Juli 2007 – Mount Eden
- Juli 2007 – AUT University
- Juli 2007 – Sky Tower
- Juli 2007 – Devenport
- Juli 2007 – Noho Marae
- August 2007 – Albert Park
- August 2007 – Rangitoto Island
- August 2007 – Sky Tower bei Nacht
- August 2007 – Delphin-Safari
- August 2007 – Northland
- August 2007 – Maori Woche
- September 2007 – Blue Canyon
- September 2007 – 2 Wochen Melbourne
- Oktober 2007 – Rotorua + Waitomo
- Oktober 2007 – Great Barrier Island
- November 2007 – Nordinsel-Rundreise
- November 2007 – Nelson Lakes National Park
- Dezember 2007 – Westcoast-Roadtrip
- Dezember 2007 – Routeburn Track
- Dezember 2007 – Weihnachten in Melbourne
- Dezember 2007 – Silvester in London
- Zeit & Zeitzonen











