August 2007 – Maori Woche

Wie der Titel impliziert, war meine letzte Woche maßgeblich vom Umgang mit und vom Lernen von Maori’s geprägt. Wenngleich das so nur mehr oder weniger geplant war.

Mittwoch

Im Rahmen der Veranstaltung Introduction to Culture and Society (Einführung in die Kultur und Gesellschaft [der Maori]) sollte uns am Mittwoch ein zweites Haka beigebracht werden – das neue Kapa o Pango der All Blacks. Unserem Kurs hat sich noch eine Gruppe von knapp 10 Japanerinnen angeschlossen, die für ein paar Wochen die AUT und die University of Auckland besuchen.
Da die Japanerinnen neu auf dem Marae waren, mussten sie natürlich erst in die Whanau (Familie) eingeführt werden. Unser kompletter Kurs hingegen war ja schon beim letzten Noho Marae eingeführt worden. Deshalb saßen wir diesmal auf der “Familien-Seite” und haben die Gäste begrüßt – so wie man uns das letzte Mal begrüßt hat (also, soweit das ohne Maori-Sprachkenntnisse möglich war). Fand ich ganz nett, sozusagen auch mal die andere Seite zu sehen.
Das Haka an sich war jetzt nicht so umwerfend – wir haben nur 3 Zeilen daraus gelernt und insgesamt war der Rhythmus langsamer, als beim Ka Mate. In dem Tempo konnte ich irgendwie nicht schreien, also blieb es beim Sprechgesang.

Donnerstag

Am Donnerstag war – ebenfalls im Rahmen von Introduction to Culture and Society – ein gemeinsames Mittagessen angesetzt. Wie schon beim Noho Marae sollte dafür jeder Teilnehmer ein Gericht aus der Heimat mitbringen. Nachdem ich mir vor 2 Wochen mal einen Schneebesen geleistet hatte (sowas scheint hier nicht zur Standard-Ausstattung einer Studenten-Küche zu gehören), gab es bei mir Eierkuchen (Engl.: Pancakes). Während einer kurzen Vorstellungsrunde der Teilnehmer (weil die Japanerinnen auch wieder teilgenommen haben) und der Gerichte gab es bei meinen Eierkuchen ein sehnsüchtiges Raunen in der Runde. Der Stapel war dann auch ziemlich schnell alle und mir wurde hinterher gesagt, dass sie gut waren. Hört man ja gerne als Koch. :)
Anmerkung am Rande – die Pfanne hatte ich mit Öl in der Spraydose eingefettet. Echt praktisch – da schwimmen die Eierkuchen nicht im Fett. Ich glaube, das waren mit die besten Eierkuchen, die ich bisher gemacht habe (obwohl die von der “Dicke” her eher Crepes ähnelten). Die Spraydosen sollte man auch in Deutschland einführen (oder falls es sie schon gibt, mir davon berichten ;) ).

Freitag

Dieses Wochenende sollte wieder ein Noho Marae (bin mittlerweile etwas schlauer – “noho” heißt so viel, wie “sich aufhalten” – also ist “Noho Marae” “Sich auf dem Versammlungsplatz aufhalten”) stattfinden. Diesmal allerdings für die Studenten, die an der AUT einen Te Reo Maori-Kurs belegen, also die Maori-Sprache erlernen. Sozusagen diente das Wochenende zur praktischen Anwendung des Erlernten.
Damit hab ich ja eigentlich nichts zu tun, da ich keinen Maori-Sprachkurs belegt habe. In einem meiner Kurse – Te Ara Pou (Leadership – Führerschaft) – wurden ein Kommilitone aus Hannover und ich aber von unserem Tutor – Jason – eingeladen, teilzunehmen. Sollte auch kostenlos sein. Was mal ganz nett ist, weil das Rumreisen schließlich auch immer Geld kostet. :)
Also sind wir zwei dann am Freitag Abend auf dem Marae aufgeschlagen – Einladungen kann man ja schlecht ablehnen… Zuerst wurde wieder eine Begrüßungszeremonie für die Gäste abgehalten. Ich saß natürlich wieder bei der Whanau. Anschließend gab es Abendessen.
Danach wollten mein Kommilitone, Sven, und ich uns eigentlich abseilen. Wir mussten im Laufe des Freitags noch eine Hausaufgabe für den o.g. Leadership-Kurs abgeben. Ich hatte das glücklicherweise schon gemacht, bevor ich zum Marae bin – im Gegensatz zu Sven. Wir hatten aber beide auch nicht vor gehabt, lange zu bleiben und insbesondere nicht an den Kursen im Laufe des Wochenendes teilzunehmen. Auf jeden Fall wollten wir uns mit der Hausaufgabe als Begründung von Jason verabschieden, als dieser meinte, er würde die Hausaufgabe (eine von sieben) zu Gunsten des Wochenendes wegfallen lassen. Weil wir ja an der Maori-Kultur teilhaben und etwas von der Sprache erlernen würden. Gesagt, getan – also sind wir geblieben. Da ich meine Hausaufgabe ja nun schon abgegeben hatte, darf ich die Nächste ausfallen lassen. :)
Naja, im Anschluss gab es dann noch 2 Vorträge von Professoren (eine Rarität im NZ-Bildungssystem, da man sich hier den Titel erarbeiten muss und nicht mit einer Dozenten-Stelle geschenkt bekommt, wie in Deutschland) der “Maori-Fakultät”. Und wir wurden in Gruppen aufgeteilt, um zum Einen die Arbeit und zum Anderen auch die Leute auf die verschiedenen Kurse am Wochenende zu verteilen.

Samstag

Unsere Gruppe – Tamihane (Name eines berühmten Maori) – hatte (in meinen Augen) sowohl Glück, als auch Pech bei der Arbeitsverteilung. Zum Glück später mehr. Das Pech war aber, dass wir Samstag das Frühstück für die Anderen zubereiten durften. Um 7:30 sollte es Essen geben, also haben wir 6:30 angefangen, zu kochen… Da mich alle meine Leser kennen dürften, brauche ich nicht näher erklären, wie barbarisch das ist, mich um 6 austehen zu lassen. Selbst die Dusche hat mich nicht wirklich wach bekommen. Zum Glück ist das Marae nur 3 Minuten von meinem Wohnheim entfernt – da fiel meine Schlafwandlerei nicht so sehr auf. ;)
Nach dem Frühstück und dem Putzen (was dann Aufgabe der anderen Gruppen war) haben die ersten Kurse angefangen – 8:30. Der erste Kurs meiner Gruppe (und auch von Sven’s Gruppe) ist zugunsten der Vorbereitungen für das Hangi (Festmahl) am Abend gleich mal ausgefallen. Da ich mittlerweile halbwegs wach war, konnte ich mich auch am Kochen erfreuen – womit wir dann beim erwähnten “Glück” wären. Insgesamt haben wir in den “Bräter” (siehe rechts, befüllt aber noch offen – traditionell wird in einer zugedeckten Erdgrube gebraten) Schätzungweise ein halbes Schwein, ein viertel Rind und ein halbes Dutzend Hühner reingestopft (keine Sorge, das Fleisch war schon vorbereitet). Dazu kamen noch 10kg Kartoffeln, 10kg Kumara (Süßkartoffel), Kürbisse (die man ja zum Glück nicht essen muss) und ein paar Brote. Und das, obwohl wir nur gut 60 Leute waren… Wer Einzelheiten oder was rezeptähnliches möchte, melde sich bitte bei mir. :)
Auf die obligatorische Tee-Pause konnte man natürlich nicht verzichten. Danach ging es dann aber mit meinem zweiten (eigentlich ersten) Kurs weiter, der aber noch von der Mittagspause unterbrochen wurde. Nach dem dem Ende des Kurses gab es wieder eine Tee-Pause. Der anschließende 3. Kurs wurde verkürzt, damit wir noch Gelegenheit hatten, gemeinsam im Wharenui (Versammlungshaus – wie man auf dem Bild rechts sehen kann, schlafen die meisten Teilnehmer dort auch) zu singen. So haben wir eine halbe Stunde lang das Lied Tai Aroha geübt, bevor endlich das Hangi begann.
Am Abend wurde wieder noch ein bisschen in der Campus-Bar gefeiert. Ich bin aber vorher erst nochmal nach Hause, um ein paar Dinge zu erledigen und bin dann auch nicht lange geblieben. Die Musik war stark ausbaufähig und ich hab ja eh so ein kleines Problem mit Parties. Naja, immerhin war ich da – dabei sein ist alles. ;)

Sonntag

Sonntag konnte ich zum Glück zwei Stunden länger schlafen. Nach der Dusche und einem schmalen Frühstück zu Hause bin ich wieder zurück zum Marae. Dort war das Frühstück noch in vollem Gange, obwohl zu meiner Ankuft eigentlich der vierte und letzte Kurs des Wochenendes starten sollte. Aufgrund einer leichten Katerstimmung, weit verbreitetet Müdigkeit und zahlreichen fehlenden Personen ist der Kurs dann aber offensichtlich gestrichen wurden.
Dafür gab es dann nochmal eine Stunde Gesang und anschließend ein Kritik-Forum – gefolgt vom Mittagessen und der offiziellen Verabschiedung. Zu guter Letzt stand noch die persönliche Verabschiedung von allen “alten” und neuen Familien-Mitgliedern an. Bei den Maori, die mich noch vom letzten Noho Marae oder aus einem meiner Kurse kennen, fiel sie besonders herzlich aus.

Te Reo Maori

Da ich im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern ja keinen Sprachkurs besuche, hat mir natürlich einiges an Grundwissen – vor allem aber Vokabular – gefehlt. Dazu kommt die Tatsache, dass ich Maori nur übers Englische ins Deutsche übersetzt bekomme, was das Lernen nicht wirklich vereinfacht. Auf meine Frage nach einem Wörterbuch Maori – Deutsch kam nur ein knappes “Gibts nicht”. Ich solle doch eines anfangen. Jemand Anderes hat mir das dann noch als Thesis-Thema vorgeschlagen. Sollte ich vielleicht mal meinem Studiengangsleiter vorschlagen – mal schaun, was er dazu sagt. ;)
Die Sprache der Maori – Te Reo Maori – ist aber grammatikalisch wirklich einfach – wenn ich das richtig mitbekommen habe, werden die Wörter nicht auf Grund von Fällen gebeugt und es gibt wohl nur sieben grundlegende Satzstellungen. Daher habe ich mir ein bisschen Was mitnehmen können. Aber mangels Anwendung wird sich das wohl in den nächsten Tagen wieder verflüchtigen. ;)
Aber gut, ich habe ja auch nicht in erster Linie an dem Wochenende teilgenommen, um die Sprache zu erlernen (Jason mag das anders sehen), sondern um Spaß zu haben und meinen Kontakt zu den Maoris auszubauen. Und ich möchte mal behaupten, dass ich das “geschafft” habe. In der Hinsicht war dieses Noho Marae wesentlich besser, als das Letzte. Diesmal waren internationale Studenten (insbesondere Deutsche) in der Unterzahl und ich war gezwungen Englisch / Maori zu sprechen. Auch war diese Veranstaltung sozusagen einen Schritt weiter, als die letzte – viele Leute kannte man jetzt schon, also konnte man dazu übergehen, sich auch etwas eingehender mit einigen zu unterhalten. Die Lernspiele und – man mag es kaum glauben – der Gesang haben ihr übriges getant, um das Wochenende schöner zu machen.
Naja, also, wie gesagt – mir hat es sehr gut gefallen und ich freue mich auf das nächste Noho Marae (denn es wird noch ein weiteres Sprach-Wochenende folgen)…